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Die Ministerin stelle ihre Aufgaben Arbeit, Soziales,
Familien, Senioren, als "das schönste Ressort" vor, in dem viel von der
Bundespolitik bestimmt wird, in dem Baden-Württemberg aber ein eigenes
Selbstbewusstsein mit breit gefächerten Regelungen geschaffen habe.
Grundsätzlich gebe es für die soziale Situation in Baden-Württemberg
wunderbare Voraussetzungen. Zum einen herrschten sehr viel Gemeinsinn
und persönliches Engagement, die in den verschiedensten Institutionen
und Selbsthilfeeinrichtungen eine Wertegemeinschaft bilden. 42 % der
Menschen in unserem Land sind ehrenamtlich oder bürgerschaftlich
organisiert. Sie tragen durch ihre Solidarität zu einer hohen
Lebensqualität der Bürger bei, die der Staat alleine nicht leisten
könnte, bescheinigte die Ministerin. Zum anderen trage die positive
Entwicklung des Arbeitsmarkts und der Wirtschaft zur Existenzsicherung
im sozialen Bereich bei. "Die beste Sozialpolitik ist eine gute
Wirtschaftspolitik", zitierte Dr. Stolz die Adenauer'sche Erkenntnis der
ersten Bundesregierung. Als besondere Herausforderungen der
Sozialpolitik hob die Ministerin die demografische Entwicklung hervor.
"Wir werden älter und wir wollen gesünder älter werden", stellte sie
fest. Dass sich die Lebenserwartung fast verdoppelt hat, fordere
Veränderungen in unserer Gesellschaft ebenso wie die Tatsache, dass die
Bevölkerung abnimmt. Ein weiteres herausforderndes Merkmal ist die
"bunter" werdende Bevölkerung. Das Land Baden-Württemberg habe sich mit
dem Zuwachs aus anderen Ländern weiterentwickelt. "25 % der Menschen in
unserem Land haben einen Migrationshintergrund", stellte die Ministerin
fest. Nun komme es darauf an, die gelungene Integration auszubauen und
die reiche Vielfalt zu nutzen. Außerdem müsse sich die Politik auf die
immer individueller werdenden Lebensläufe einstellen, die mehr und mehr
von den traditionellen Bahnen abweichen. Mit den Auswirkungen auf die
Familienstrukturen beschäftigt sich die Landesregierung ebenso wie mit
den Herausforderungen auf die sozialen Sicherungssysteme und der Frage,
was die Gesellschaft in unserem Land bei aller Vielfalt und bei allen
Veränderungen zusammenhält. Dr. Stolz ging auf verschiedene Programme
ein, mit denen die Landesregierung reagiert. Zur Unterstützung junger
Familien wurde eine Palette von Maßnahmen auf den Weg gebracht:
Familienhebammen, das Programm "Stärke", mit dem die Erziehungskompetenz
gestärkt werden soll, die "wellcome"-Initiative, bei der eine
ehrenamtliche Mitarbeiterin wie ein "guter Engel" ein- bis zweimal die
Woche für zwei bis drei Stunden die Familie entlastet. All diese
Möglichkeiten sollen ausgleichen, was früher bei einer Großfamilie
selbstverständlich war. Die Maßnahmen, mit denen die Vereinbarkeit
von Familie und Beruf gefördert werden, sind ein weiterer Ansatzpunkt,
damit sich gut ausgebildete Frauen und Männer dem Arbeitsmarkt weiterhin
stellen können. Dazu zählen z. B. die Kleinkindbetreuung und der Ausbau
der Ganztagesschulen. Wie Pflege und Beruf vereinbart werden können,
stellte Dr. Stolz als große Herausforderung der Zukunft dar, denn die
Anzahl der Pflegebedürftigen wird sich um 50 % erhöhen. Der Staat könne
den Pflegebedarf nicht in stationären Einrichtungen abdecken, so dass
man weiterhin auf die Pflege in der Familie angewiesen sei. Damit die
Familien diese Aufgabe übernehmen können, brauchen sie Unterstützung. Um
die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu fördern, habe das Land
Baden-Württemberg den gesetzlichen Anspruch auf Pflegezeit umgesetzt. In
den Betrieben müsse Sensibilität gegenüber Beschäftigten entwickelt
werden, die eine Pflegesituation zu leisten haben. Als weiteres
wichtiges Feld sieht die Ministerin Unterstützung für die Familien, die
in finanziellen Notsituationen sind, die alleinerziehend, mit mehr
Kindern oder arbeitslos sind. Das Landeserziehungsgeld werde
beibehalten, um Familien in solch schwierigen Phasen zu unterstützen.
Das Sozialsicherungssystem bezeichnete Dr. Stolz als Herausforderung,
mit der sich die ehrliche Politik nicht beliebt macht. Pflege-, Renten-
und Krankenversicherung werden zusätzliche Belastungen bringen. Die
Politik müsse das Rentenalter nach oben setzen, weil auch die
Lebenserwartung gestiegen ist. Die "Rente mit 67" komme erst in 15 bis
20 Jahren voll zum Tragen. Die Menschen können sich darauf einstellen,
dass sie länger im Arbeitsprozess sind. In der Arbeitswelt müsse der
Arbeitnehmer einen Beitrag leisten, um gesund zu bleiben. Die
Unternehmen seien gefordert, durch die Arbeitsbedingungen, durch
Weiterbildungsmöglichkeiten und durch betriebliches
Gesundheitsmanagement die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern. Beim
Thema "Rente" appellierte die Ministerin an die Opposition, ehrlich zu
argumentieren und nicht nur Stimmung zu machen.
Eine
"never-ending Story" nannte Dr. Stolz die Krankenversicherung.
Baden-Württemberg habe eine gute gesundheitliche Versorgung und
ausreichend Ärzte. Die Krankenhaus- und Versorgungsstrukturen sollen
erhalten werden, denn das seit 1989 bestehende Geriatriekonzept, die
Schwerpunktversorgung bei Schlaganfall oder die Onkologiezentren
garantieren eine vorbildliche Versorgungskompetenz. Die
Gesundheitsreform der Bundesregierung werde sicher weitere Reformen
bedingen. Das Land Baden-Württemberg sehe zwei Säulen als Grundlage,
die den Wohlstand und die Zukunft des Landes sichern, erwähnte die
Ministerin. 1. Bildung, denn jeder Mensch wird gebraucht. 2. Gesundheit,
denn nur gesunde Bevölkerung kann Wertschöpfung erzielen. Durch
Selbstverantwortung, Prävention, und Zusammenarbeit mit den Betrieben
soll schrittweise die Gesundheitsbasis verbessert werden. Außerdem werde
die ärztliche Versorgung gestärkt. Um 10 % erhöhte Studienplätze für
Ärzte mit starkem Frauenanteil, das Programm Landarzt und
Ärzte-Assistenten sollen die Strukturen für ein zukunftsfähiges
Gesundheitssystem schaffen. Abschließend hoffte Ministerin Dr. Stolz,
dass die Herausforderungen der Sozialpolitik von der Landesregierung
weiterhin so gelöst werden, dass die Bürger des Landes mutig und
zuversichtlich in die Zukunft sehen können. MdL Raab dankte für den
Vortrag und ging auf die von den Professoren Spessart und Schweitzer
vorangebrachten gesetzlichen Regelungen für das Berufsbild
Ärzte-Assistenten ein. Themen in der Diskussion waren die Rente mit
67, die Finanzierung der Leistungen im Gesundheitswesen,
Selbstverantwortung und Hilfe zur Selbsthilfe, die Pflegestufe für
Demenzkranke, die Mitwirkung der Firmen bei der Gesundheitsprävention,
ein Adipositas-Projekt und die Prävention gegen Gewalt und Alkohol bei
Jugendlichen. Der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Waldbronn
Roland Bächlein dankte am Schluss der Veranstaltung Sozialministerin Dr.
Stolz, MdL Raab und Landrat Dr. Schnaudigel für die Mitwirkung und
hoffte auf gute Resonanz.
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